Über No Job Lab

Veröffentlicht: Montag, 17. Februar 2014

this is bochumNo Job Lab ist der Beitrag von A Zofra zum Projekt This is Not Detroit, ein internationales Kunstfestival, das vom Schauspielhaus in Bochum organisiert wird und nach Antworten für die Zukunft dieser Stadt sucht. Dabei werden Verbindungen zu anderen Opel-Städten in Europa aufgebaut: Zaragoza (Spanien), Ellesmere Port / Liverpool (England) und Gliwice (Polen).

No Job Lab ist ein aktionistischer Forschungsansatz, der von der Frage ausgeht: Wie können wir uns ein würdevolles Leben in einer Gesellschaft gestalten, die uns keine Garantie mehr für ein festes Einkommen geben kann? In Diskussionsgruppen und Interviews versuchen wir herauszufinden, was im europäischen Kontext die Bedürfnisse und Wünsche der Bevölkerung für ihr Wohlbefinden sind.

Das Ende eines Produktionssystems, das den meisten Arbeiter_Innen ein lebenslanges Lohneinkommen garantieren konnte, geht einher mit dem Ende des im 20. Jahrhundert vorherrschenden Systems der garantierten Grundrechte. Und weitere bedeutungsvolle Veränderungen bahnen sich an. Durch technologische Innovationen, von den jeweiligen Lobbies vorangetrieben, werden in nur wenigen Jahren viele der heute von Arbeitern ausgeführten Tätigkeiten durch neue automatisch funktionierende Maschinen ersetzt sein.

Weit davon entfernt frühen Arbeiterbewegungen der ersten Industriellen Revolution wie etwa den englischen Luddisten nachzueifern, begreifen wir dieses Forschungsprojekt als eine Gelegenheit ein veraltetes Wohlfahrtsmodell neu zu überdenken. Einerseits stützte sich dieses System auf eine internationale Hierarchie aus Kolonien, Imperien und einer unterentwickelten Peripherie, sowie auf eine nationale Hierarchie des Rassismus und Sexismus und eine strenge Familienhierarchie, in der die Frau die Unterworfene war. Andererseits jedoch nimmt derzeit Europas geopolitische und finanzielle Macht zugunsten anderer Regionen ab. Zudem wächst die Ungleichheit in Europa weiter, sowohl innerhalb der einzelnen Länder als auch zwischen ihnen. All diese Faktoren werden wir bei unserer Forschungsarbeit miteinbeziehen müssen.

Aus der Ablehnung ethnozentristischer Perspektiven heraus setzen wir uns auch damit auseinander, welche Wege in anderen Regionen der Welt gefunden werden (allen voran Lateinamerika und Afrika), um Leben und soziale Organisation außerhalb eines auf Lohnarbeit basierenden Systems würdevoll zu gestalten.